Stadtleben

Reiner Brungs

tl_files/bilder/stadtleben/ein-tag-im-leben-von/ein-tag-im-leben-von-08-11-reiner-brungs-kuehe.jpg

Vier Jahre nachdem er den Venner Bauernhof von seinem Vater übernahm, rüstete Reiner Brungs 1990 als erster landwirtschaftlicher Betrieb in Mönchengladbach auf Bio um. Seitdem werden bei Bioland Brungs alle Produkte nach strengen Richtlinien ökologisch angebaut und erzeugt. Bis Kartoffeln, Salat und Co. aber im Hofladen angeboten werden, ist es ein langer Weg mit jeder Menge Arbeit und persönlichem Einsatz.

Reiner Brungs7:00 Zu Beginn seines Arbeitstages treibt Reiner Brungs seine Rinder aus dem Stall einen Zulauf entlang bis auf die Weide, wo sie den Tag mit genüsslichem Grasen verbringen. Ist das geschafft, mistet er den Stall aus, streut neues Stroh ein und bereitet das Futter für den Abend vor. „Biologische Landwirtschaft arbeitet immer in Kreisläufen. Wir bauen die benötigten Futterpflanzen für unsere Tiere selber an. Gleichzeitig führen wir den Ackerflächen die pflanzlichen Abfälle und den tierischen Dung wieder als Dünger zu“, erklärt Brungs. Vor zwei Wochen bekam die Herde wieder Zuwachs. Als Geburtshelfer musste er diesmal aber nicht einspringen. „Das Kälbchen wurde nachts geboren, ohne Komplikationen. Als ich morgens in den Stall kam, war es bereits fleißig am Trinken“, erinnert sich der staatlich geprüfte Landwirt und Tierheilpraktiker.

Reiner Brungs7:45 Danach lässt er auch die Hühner nach draußen – zunächst in den „Wintergarten“, ein überdachter Auslauf mit Außenklima. Hier können sie im Sand nach Körnern picken und in Ruhe ihre Eier legen, bis sie auf den Grünauslauf kommen. „Bioland-Tiere haben im Vergleich zu ihren konventionellen Artgenossen allein im Stall – ohne Berücksichtigung des Grünauslaufs – fast doppelt so viel Platz“, so Brungs.

Reiner Brungs8:00 Dann schwingt sich der 51-Jährige auf seinen Schlepper, um ein 5.000 m² großes Kartoffelfeld zu ernten. Dafür braucht er aber nicht nur PS-starke Unterstützung, sondern auch Sohn Marcus, der ihm im letzten Jahr in den Betrieb folgte. Denn weil der Kartoffelroder kaputt ist, müssen die Erdäpfel heute mühselig von Hand geerntet werden. „Es gibt schon Tage, an denen ich meine Arbeit verfluche. Trotzdem kann ich mir keinen vielfältigeren und spannenderen Beruf vorstellen“, schwärmt Brungs, dem ein Spritzunfall vor über 20 Jahren zum Umdenken und schließlich auch zum Umstellen auf biologischen Anbau  bewegte.

10:00 Von den Kartoffeln geht’s nun ins Gewächshaus zu den Tomatenpflanzen. Diese werden ausgegeizt, d. h. deren junge Triebe werden abgeknipst. „Denn je mehr Triebe die Pflanze hat, desto weniger Kraft steckt sie in die Entwicklung des Haupttriebes“, so der Landwirt. Die Folge: Es werden zwar viele, aber nur sehr kleine Früchte gebildet, die nur schlecht oder gar nicht ausreifen. Dann bringt er die frisch gepflückten Tomaten in den Hofladen, der sich über die Jahre von einer Autogarage zu einem 110 m² großen Einkaufsparadies mauserte.

13:30 Nach der Mittagspause sammelt Reiner Brungs vorsichtig die Hühnereier ein und sortiert sie auf einem Laufband nach Gewicht – von Hand versteht sich.

15:00 Bevor es wieder aufs Feld geht, schaut er noch schnell bei den Rindern vorbei. „Vor Jahren sind uns mal zehn Rinder ausgebrochen und durchs Dorf spaziert“, erinnert sich der 51-Jährige. Dem Unkraut den Kampf angesagt, bürstet er es jetzt mit einem so genannten Striegel aus dem Getreidefeld. Als einer von 5.500 Bioland-Erzeuger-Betrieben verzichtet Reiner Brungs auf seinem Hof konsequent auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger, Wachstumsförderer und Gentechnik. „Bei der biologischen Landwirtschaft sind die Arbeitsweisen aufwändiger und die Erträge meist geringer als im konventionellen Anbau. Man sollte also nie aus wirtschaft-
lichen Gründen umstellen, sondern immer aus Überzeugung“, betont Brungs. In ein paar Tagen ist es soweit, dann beginnt die Roggenernte. Der Mähdrescher steht schon bereit und auch die Scheune ist vorbereitet. „Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen. Denn schlechtes Wetter kann uns die ganze Ernte versauen“, so Brungs, der sich bei seiner Arbeit schon mal den Daumen abgerissen hat. „Ein bisschen Verschnitt ist immer“, scherzt er.

Reiner Brungs17:45 Mit einer Beregnungsmaschine bewässert er abschließend noch das Kürbisfeld. „Wenn alles gut geht, können wir ab September rund 20.000 Kürbisse ernten“, freut sich der Landwirt.

18:30 Noch die Tiere in den Stall gebracht, dann macht Reiner Brungs für heute Feierabend.

Zurück

Einen Kommentar schreiben