Stadtleben

Dr. Susanne Matthei

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Zusammen mit ihrem Vater kümmert sich die Ärztin jeden Tag um durchschnittlich 40 in der Regel stark behaarte, vierpfotige Patienten – und das aufopferungsvoll: In 23 Jahren blieb die Kleintierpraxis Piliar nur ein einziges Mal geschlossen (an ihrem Hochzeitstag). Neben dem alltäglichen Wahnsinn einer Tierarztpraxis haben die Ärzte nachts sowie an Sonn- und Feiertagen freiwilligen Notdienst und arbeiten ehrenamtlich für das Tierheim und die Tierhilfe Mönchengladbach. „Ich liebe meinen Beruf. Schon als Kind half ich meinem Vater in der Praxis“, erinnert sich Matthei, deren Spezialgebiet die Augenheilkunde ist.

Dr.
 Susanne Matthei9:00 Als Dr. Susanne Matthei heute die Praxis betritt, ist das Wartezimmer bereits gut gefüllt. Ihr erster Patient ist der zweijährige Kater Paul, dessen Auge stark angeschwollen ist. Die Ärztin untersucht ihn vorsichtig und diagnostiziert, nicht wie zuerst vermutet eine Verletzung im, sondern einen Insektenstich am Auge. „Das kommt davon, wenn man alles jagen muss, was sich bewegt“, rüffelt Matthei den kleinen Stubentiger, bevor sie ihm ein Antibiotikum spritzt und eine entzündungshemmende Salbe aufträgt. Danach impft sie zwei Kitten gegen Katzenseuche und zieht einem Beagle, der sich beim Tritt in eine Glasscherbe den Ballen aufschlitzte, die Fäden.

9:30 Dann ein Notfall: Labrador Bruno geriet beim morgendlichen Gassigehen mit einem Artgenossen aneinander und zog – so wie es aussieht – den Kürzeren. Mit den richtigen Worten beruhigt sie das aufgelöste Herrchen, während sie die Bisswunden versorgt. „Das sieht oft schlimmer aus, als es ist“, so Matthei, die in ihrer neunjährigen Berufskarriere dank ruhiger Ausstrahlung und den richtigen Handgriffen noch nie gebissen wurde.

Dr.
 Susanne Matthei11:00 Nach einem Hamster mit Verdauungsproblemen, einem Wellensittich, der sich nackig rupft, und zwei Wollknäueln mit lästigen Untermietern hat sich die Situation im Wartezimmer beruhigt und die Ärztin fährt ins Tierheim, um eine neu eingewiesene, völlig verängstigte Hündin zu untersuchen. „An misshandelte Tiere kann man sich nie gewöhnen, lernt aber damit umzugehen“, so die 34-Jährige.

12:30 Wieder zurück geht’s direkt in den OP. Ob Kastrationen oder Tumorentfernungen – von 12 bis 16 Uhr wird in der Kleintierpraxis Piliar operiert. Per Kaiserschnitt holt das Team heute 15(!) Mischlings-Welpen zur Welt. „Die Hündin war völlig geschwächt. So viele Welpen sind aber auch sehr selten. Mein Vater und ich haben das noch nie erlebt“, betont Matthei. Ungewöhnlich war auch die Geburt von fünf Katzenbabys in einem Kombi vor der Praxis.

Dr.
 Susanne Matthei16:00 Die zweite Sprechstunde startet mit Katze Leni, die unter Durchfall und Erbrechen leidet. Dr. Matthei nimmt der ängstlichen Katze Blut ab, um es dann im hauseigenen Labor zu untersuchen. Das Ergebnis: eine Virusinfektion, die stationär mit Infusionen behandelt werden muss. Danach spricht sie mit ihrem Vater über das Röntgenbild eines Meerschweinchens. „Wir konsultieren uns häufig. Er vertritt die alte, ich die neue Medizin. Meistens treffen wir uns irgendwo in der Mitte“, so die 34-Jährige. „Anders als in der Humanmedizin muss ein Tierarzt auf allen Gebieten fit sein. Er ist Chirurg, Dermatologe, Zahnarzt usw. in einer Person. Das ist unheimlich spannend“.

16:45 Das schlappohrige Zwergkaninchen Stupsi rührt seit Tagen kein Futter an, inklusive seiner Leibspeise Löwenzahn. „Tiere können uns leider nicht sagen, was ihnen fehlt“, so Matthei, die nach einem Blick ins Maul feststellt, dass Stupsis Backenzähne zu lang sind und ihm Schmerzen verursachen. Hier hilft nur eine Zahnkorrektur.

Dr.
 Susanne Matthei18:00 Nach einer widerspenstigen Katze mit entzündeten Augen und einem an Diabetes erkrankten Langhaardackel kümmert sich die Ärztin um die 30-jährige Schildkröte Elmo, die ein Bein hinter sich her schleift. „Wir hatten auch schon einen kleinen Fuchs und ein Hausschwein in der Praxis“, erinnert sich Matthei. „Die schwierigsten Patienten sind aber oft die Besitzer.“

19:00 Bevor die Ärztin ihren Behandlungsraum für den nächsten Tag vorbereitet, schaut sie noch nach Katze Leni, die über Nacht hier bleiben muss. „Wir nehmen uns Zeit und versuchen immer menschlich zu sein, zu Mensch und Tier.“ Dann ist aber Feierabend – vorausgesetzt, es kommt nicht noch ein Notfall dazwischen.

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