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Freizeit für Anfänger

Als Kind war Freizeit einfacher, findet Redakteurin Simone Schwan.

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Als Kind sprang ich nach dem letzten Mittagsbissen vom Stuhl auf und verschwand im Wald. Das Morgen scherte genauso wenig wie das unaufgeräumte Zimmer. Dafür gab’s einen Heidenspaß und später herrlichen Tiefschlaf.

Heute schalte ich zum Feierabend den Computer am Arbeitsplatz ab – und den zuhause wieder an. Mein Handy liegt neben mir und wird regelmäßig nach Mitteilungen abgesucht. Es könnte ja noch jemand etwas von mir wollen – das macht zwar nicht immer glücklich, aber ergibt immerhin einen Sinn.

Wer eine andere Philosophie verfolgt und abends nicht mehr arbeitet, sitzt meist auch vor dem PC – nicht, um die weite, große Welt zu entdecken, aber um süße Hundebilder, dreckige Witze oder die Bestandteile des Mittagessens zu teilen. Wer lieber richtig aktiv ist, geht noch ins Städtchen – da warten vielleicht grandiose Tagesschnäppchen „made in Taiwan“, der immer gleiche Kaffee im immer selben Bistro oder bunte Vögel, die vom sicheren Plätzchen aus begafft werden. Das ist für das Gewohnheitstier Mensch eine willkommene Routine und genug Abwechslung zum Durchblättern des IKEA-Katalogs auf Sofa oder Klo.

Nichtstun steht auch hoch im Kurs – der bewusst gelebten Muße geben Experten den Begriff „aktives Nichtstun“ – was im Unterschied zum verbreiteten Nichtstun (Glotze, Couch und vielleicht noch ein Bier) meint, mit allen Sinnen einfach da zu sein – und vielleicht dem Vogelgezwitscher zu lauschen. Aber nach der Dauerberieselung von TV, Radio, Chef und Familie kommt das vielen Menschen wohl zu nichtig vor. Ehrenamtliche kämpfen nach der eigentlichen Arbeit für lau, eine Mahlzeit pro Tag in Entwicklungsländern oder gar für eine bessere Welt.

Der Nachwuchs schwindet konsequent – wird wahrscheinlich am Computer sitzen und der Nation von seinem Mittagessen erzählen. Manche, aufgeweckte Menschen verabreden sich sogar – die, die niemanden in der Stadt kennen, klicken auf eine ihrer Handy-Apps und verabreden sich mit anderen – im Café zum Leute beobachten zum Beispiel.

Vielleicht sollte man mal wieder mit etwas anderem anfangen: vielleicht mit dem Wald, dem Vogelgezwitscher und dem Spaß. Aber, hey, nicht das internetfähige Fotohandy vergessen – wäre doch schade, wenn ein Eichhörnchen vorbei hüpft und es niemand sieht!

Text: Simone Schwan, Illustration: istockphoto - halepak

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