Kultur

Konversationsstuhl

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Er ist wieder da, der „Konversationsstuhl“ – vor einigen Monaten wurde die ursprüngliche Skulptur abgebaut, an ihrer Stelle – auf einer Grünfläche hinter dem Haus Erholung – steht  seit kurzem ein neuer: „Konversationsstuhl“, quasi der Zweite. Der Künstler Wolfgang Hahn bezeichnet ihn als „Auflagenobjekt“, er sei kein Unikat und keine Kopie. Ein neuer war nötig geworden, weil der vorherige nach rund acht Jahren durch feine Risse ein Risiko und einen Totalschaden darstellte. Schließlich sollen die Menschen das Werk (be)nutzen, so ist es vom Künstler gewollt.

Der Stuhl ermöglicht Begegnung
Reduktion der Formen auf das Wesentliche und Funktionalität – das sind nur zwei Merkmale, die Hahns Skulpturen beschreiben. Anders ausgedrückt: Der Mensch steht bei ihm im Mittelpunkt, er soll animiert werden, die Objekte zu nutzen.

Der KonservationsstuhlDieser Stuhl ist nur eine von mehreren Außen-skulpturen Hahns in der Gladbacher Innenstadt. Ihnen sind einfache geometrische Grundformen gemeinsam. Beim gemeinsamen Ortstermin mit dem HINDENBURGER erklärt der Bildhauer die Grundflächen des Stuhls. Ein Funke springt schnell über, so begeistert beschreibt er die Materie, die rechten Winkel sowie die Gradlinigkeit – Hahn ist authentisch und der gebürtige Anrather weiß, dass dieser Platz gut angenommen wird. Für ihn hat der Stuhl mehrere Ebenen und mehr als eine Facette: „Ich möchte, dass die Menschen ihn nutzen. So zu sitzen, ermöglicht Begegnung, Nähe, Respekt, aber auch Distanz!“ – für ihn ein Aspekt von Doppelbödigkeit.

Er ist sich bewusst, dass auch dieses Kunstwerk ungeschützt der Umwelt ausgesetzt ist. Wind und Wetter, Materialverschleiß, aber vor allem Graffitis werden auch diesem Stuhl zu schaffen machen. Doch Hahn sieht die Gebrauchsspuren gelassen: „Die ersten Liebespaare werden bald ihre Herzchen hinterlassen.“

Jemand schrieb über Hahns große Figuren, sie laden zum Spiel mit der Wahrnehmung ein. Das stimmt: Der Naturstein, nicht etwa Beton, animieren zum Verweilen – nehmen Sie also Platz, streichen Sie über die schönen glatten Flächen, oder nehmen Sie den Stuhl nur in Augenschein: Je nach Blickwinkel sieht er anders aus, auch das ist ein Reiz des Standortes.

Diplom-Restauratorin Julia GiebelerInfo
Diplom-Restauratorin Julia Giebeler (29) verstärkt als Volontärin seit April das Team des Museums Abteiberg. Museumsdirektorin Susanne Titz : „Wir sind glücklich, dass wir in der nächsten Zeit die Skulpturen gut von ihr betreut wissen.“ Zu Giebelers Aufgaben gehören die Pflege, die Restauration sowie die Bestandsaufnahme. Auf sie wartet eine Menge Arbeit: in Mönchengladbach sind rund 100 Kunstwerke im Außenbereich aufgestellt. Witterungseinflüsse, Material-ermüdungen, aber vor allem Vandalismus sind Gründe für nötige Restaur-ationen. Die Absolventin der Fachhochschule Köln erstellt derweil eine Prioritätenliste. Titz: „Wir kümmern uns mit viel Aufwand um die Kunstwerke – das sind wir den Künstlern schuldig.“

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