Kultur

Die Frau

Die FrauHoch steht sie vor den Treppen des Münsters, über neun Meter ragt sie in den Himmel: Georg Ettls „Frau“ aus Stahl, auf hohen Hacken – letzteres ließ die Gladbacher Bevölkerung zu der Vermutung hinreißen, es handele sich um eine Dame aus dem horizontalen Gewerbe. Schließlich war in unmittelbarer Nähe ein eben solches Etablissement ansässig. Auch dass das stählerne Kunstwerk im Jahr 2002 bei seiner Aufstellung nicht hielt, sondern erst einmal wieder umfiel, bestätigte die Annahme, es handele sich um ein leichtes Mädchen. „Die Gefallene“ hieß das Kunstwerk von nun an im Volksmund.

Der Viersener Künstler wollte tatsächlich die weibliche Seite der Menschheit in den Vordergrund stellen. Frei nach dem Motto „Es gibt unzählige Männer-Standbilder“ schuf er ein Denkmal für die Frau und nannte es ganz schlicht „Die Frau“.

Sie sollte nach dem Willen des Künstlers ein Gegenpol sein zu männlichen Herrschern, beispielsweise Reiterstandbildern. Sie tritt die Nachfolge an von monumentalen Frauendarstellungen in aller Welt, wie Athene, die Venus von Milo oder sogar die ameri-kanische Freiheitsstatue. Ihre wehende Mähne soll Aufbruchstimmung verkünden und sie markiert den Beginn der Mönchen-gladbacher Skulpturenmeile, die hier beginnt. Die Präzision der Arbeit und die Liebe zum Detail sind deshalb möglich, weil Ettl in jungen Jahren in den USA als Werkzeugmacher und technischer Zeichner gearbeitet hatte. Ettl, gebürtiger Oberpfälzer, ist neben der Bildhauerei auch als Maler, Objekt-künstler sowie Kunstprofessor tätig.

Die
 FrauSeine Werke sind vielseitig und international: Er stellte Kirchenfenster her, gestaltete in Krefeld den Innenhof des Kunstmuseums neu und hauchte im französischen Schloss Oiron ursprünglich vorhandenen Pferdedarstellungen mit seinen Rossen neues Leben ein – wobei wir wieder bei den Pferden wären, die er neben Köpfen auch als Grundmotive seriell gestaltet.

Gestiftet wurde die Statue „Die Frau“ vom Lions Club.

Georg Ettl
Der in Viersen lebende Künstler ist gebürtiger Bayer, der Ende der 50er-Jahre zu seinem Onkel nach Detroit (USA) ging. Dort bildete er sich zum Werkzeugmacher und technischen Zeichner aus. Dies gilt als Grundlage für die Präzision seiner künstlerischen Arbeiten. In Mönchengladbach sind mehrere Werke Ettls öffentlich und sehr zentral aufgestellt, so auch „Fassade + Hahn“ und „Karl Fegers in memoriam“. Im Internet ist Ettl zu finden unter www.atelier-ettl.de.

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